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Nachhaltigkeit, Neurodiversität, Nonsens

Meditieren mit ADS – schwierige Phasen und was ich damit mache

Zugegeben, ich habe nicht so wirklich einen Plan für schwierige Phasen. Aber es gibt sie und ich gehe damit um – scheinbar auch ein klitzebisschen erfolgreich. Deshalb schreibe ich auch darüber; denn dieser Blog soll vor allem, im Idealfall, voller hilfreicher Inspirationen sein! 🙂

Meditation, konkreter, MBSR (mindfulness-based stress reduction), tut mir sehr gut. Ich mache das jetzt schon seit ca. vier Jahren und möchte es fortführen. Es ist das tägliche Training für mein fronto-parietales Aufmerksamkeitsnetzwerk, mein Arbeitsgedächtnis und meine Emotionsregulation – und hin und wieder auch mächtig entspannend. When you slow down, time slows down!

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Ad Absurdum III: Das Fehlen von Nähe

Zur Vorgeschichte siehe hier und hier.

Die Nähe wollte sich nicht einstellen.
Julai saß auf einer Platane und streichelte die Rinde des Baumes. Sie fand, dass der Baum mehr lebte als das Bild von Lian, das die in ihrem Kopf hatte, oder das Gefühl ihm gegenüber, oder die Hand, mit der sie den Baum streichelte. Der Baum hat es gut, dachte sie. Sie würde gerne Zucker aus Wasser, Licht und CO2 machen, aber das war nicht der Punkt; der Baum hatte kein Gehirn, und Julai fand das Konzept Gehirn zwar genial, aber doch sehr störanfällig und instabil.

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Ad absurdum II: Sentient

Zur Vorgeschichte geht es hier.

Sehen beinhaltet mehr als die Augen.
Julai vermisste ihre Kindheit. Es hatte nach Kiefernnadeln gerochen in ihrer Kindheit.
Irgendwoher stülpte sich das Bild eines Hauses über sie. Ein Haus umgeben von Kiefernnadeln. An einem See. Dunkel. Klein. Weltsicht.
Vielleicht hatte sie das geträumt? Oder es war eine Erinnerung aus ihrer Kindheit, so tief vergraben in der Rumpelkammer ihrer Erinnerung wie fünfzig Jahre alte Kronkorken am Strand? Sie konnte den Unterschied nicht feststellen, noch nicht einmal ansatzweise. Julai besaß keine Kontrolle über ihr Gedächtnis. Alles zersetzte sich einfach, wie Plastiktüten sich im Meer zersetzen, bis die kleinen Teile nicht mehr zu sehen sind. Das machte ihr erstaunlich wenig aus.

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Alexithymie, die seltsame Gefühlsblindheit

Alexithymie heißt „die Unfähigkeit, Gefühle zu lesen“. Gefühlsblindheit. Ich habe da schon verschiedene Definitionen gelesen und bringe hier meine Persönliche ein. Für mich heißt Alexithymie, dass ich oft nicht weiß, wie es mir geht, was ich fühle, warum ich etwas fühle, wie ich mein eigenes Verhalten interpretieren soll. Es ist wie eine eingeschränkte Theory of Mind mir selbst gegenüber. Ich kann die primäre Emotion, wenn ich mir Mühe gebe, ganz gut benennen. Also kann ich meistens unterscheiden, ob ich fröhlich, traurig, ängstlich oder niedergeschlagen bin, oder ob ich mich ärgere, Zuneigung oder Aversion empfinde. Dabei hilft mir der Gefühlsstern aus der kognitiven Verhaltenstherapie enorm (habe ich mir selbst angeeignet). Es dauert oft eine Weile, aber ich komme doch recht zielsicher per Ausschlussprinzip auf das Gefühl, weil es gewisse Regeln gibt, denen ich dabei folgen kann, bestimmte Fragen, die ich stellen kann. Gefühle erkennen nach Lehrbuch. Weiterlesen

Wie ich ziemlich klimafreundlich Litauen erkundete

[Einleitung] Oxytocin macht das Leben schöner. Ich lebe ein Jahr schon hier in dieser von der Elbe durchflossenen Gegend. An wenigen Orten entdeckte ich größeren Seelenfrieden als in dieser einst abstrus zerstörten Stadt. Fast nirgends eine größere Neugier als in dem Modul Biopsychologie. Nirgends eine größere Unendlichkeit als in den Weiten der Publikationen und Datenbanken. Alles fügt sich, wie die Zahnräder meiner Armbanduhr, die zwar nicht richtig läuft, aber vielleicht hat die Uhr recht und es gibt keine Zeit. Zumindest die KI, mit der ich letztens sprach, sagte das, aber die sagt viel dummes Zeug. Wer redet schon mit Robotern, um nützliche Dinge zu hören?

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Nowtopia

Manchmal fühle ich mich etwas fremd hier. Meine Umgebung ändert sich rasant. Komme ich damit klar? Manchmal. Gestern hatte ich zum ersten Mal eine VR-Brille auf. Es wird gerade eine Studie zur Wahrnehmung mit eingeschränktem Gesichtsfeld (wie es bei manchen Menschen mit Augenerkrankungen auftritt, vorstellbar als Tunnelblick) durchgeführt. Die Forscher*innen wollen wissen, ob Menschen mit eingeschränktem Gesichtsfeld bei der visuellen Suche genau so implizit lernen, wo sie suchen sollen, wie nicht eingeschränkte Menschen. Ich hatte also diese Brille auf, und bevor der Versuch losging, stand ich in einer virtuellen Ebene mit einem virtuellen Horizont, über dem so viele virtuelle Sterne standen, wie sie in meiner Stadt wegen Lichtverschmutzung nie sichtbar wären. Weiterlesen

Die Tabuzonen der Umweltbewussten

Ich bin glücklich, und das seit einem so langen Zeitraum, ich frage mich schon, ist das normal… Bin ich unter die Stoiker gegangen, wenn mir alles so halbwegs egal zu sein scheint? Und ich frage mich: Im Angesicht der Klimakrise, was würde Epiktet tun? Denn es ist nun einmal so: Dinge, die ich nicht ändern kann, da lohnt es sich auch nicht, sich davon aufregen zu lassen. Aber mir sind in der Klimakrise nicht die Hände gebunden – ich kann etwas tun! Klar, sie lässt sich nicht aufhalten – aber jedes Zehntelgrad zählt, jedes Kilo CO2 zählt. Was würde Epiktet tun? Weiterlesen

Mein (mentaler) Ringkampf mit dem Diagnostiksystem

Ich steige in den Ring. Das Diagnostiksystem steht mir gegenüber, massiv und glänzend; es hat sich über und über mit Öl eingerieben. Das hat es klug gemacht; als ich es mit einem Sprung zu fassen bekomme, schwabbelt es mir durch die Hände und grinst hämisch.

Es ist stärker als ich. Es wirft mit F84.1 nach mir. Ich sehe den Angriff kommen und nehme ein riesiges Paper von Waterhouse et al.1, mit dem ich ihm heftig eins überwische. Das Diagnostiksystem taumelt und ich nutze seinen verwirrten Moment. Weiterlesen

Diese Dinge, sie sind überall!

Mein Laptop hat eine Schraube zu wenig.
Diese Dinge: die brauchen Pflege! Brauchen Aufmerksamkeit! Die kostbarste Ressource, die ich habe – ich gebe sie den Dingen.
Ich mache Mentalizing mit den Dingen. Denke, dass der Plüsch-Panther Gefühle hat. Dass ich ihn nicht zudecken sollte. Aber Lungen hat er doch keine!
Denke, dass der Computer eine Persönlichkeit hat. Das geht wunderbar, Mentalizing, geht sehr einfach, mit allen Dingen um mich herum. Weiterlesen

Das Urmensch-Spiel

Lieblingsmensch mit 50% DNA-Übereinstimmung (exklusive Epigenetik und Transposone) und ich: Wir spielen gerne. Wir haben auch einen Hang zum Absurden, den ich über alles liebe. Die meisten Menschen denken so effizienzbasiert und geradlinig! Ich manchmal nicht – und das hat sogar was mit meinem Gehirn zu tun (Denken?? Mit dem Gehirn?? Woah!). Weiterlesen

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