undjetzterst

Nachhaltigkeit, Neurodiversität, Nonsens

Persönlichkeitsveränderung durch Psychopharmaka – wie es ist, das zu erleben

Hierüber wollte ich schon lange schreiben. Ungelogen, es ist eins der skurrilsten Erlebnisse, die man so machen kann! Julai hat so eine Erfahrung gemacht, wie wäre es, wenn sie uns etwas dazu erzählen würde? Ja, ein Interview, da sagt sie sicher nicht nein. Wo bist du denn, Julai? Juuuuuulaaaiii!

Julai: Mir ist, als würde das Internet mit mir sprechen. Aber das Internet kann nicht mit mir sprechen! Ich habe bestimmt Beziehungsideen! Also, dass sich zufällige Dinge auf mich beziehen! Aaah, ich kriege Schizophrenie?! Das passt mir jetzt nicht!! Aaah!

undjetzterst: Komm runter, Julai, du bekommst keine Psychose. Ich möchte dich nur freundlich fragen, ob du Lust auf ein Interview hast.

Julai: Ach jaaa, und was, wenn ich mir das auch nur einbilde?

Weiterlesen

Die Pandemie als Fenster, um Gewohnheiten zu ändern

All goes digital. Gretas präferierte Strategie zum Umgang mit Zuhausebleiben ist Tagebuch schreiben. Ich mag das auch gerne, es sortiert den Kopf so angenehm – aber manchmal fehlt mir die Geduld, das ohne Tastatur zu tun. Der moderne Mensch bloggt und liest Wikipedia-Artikel über human-computer interaction.

Der Wind bewegt die Äste der Birke vor meinem Fenster.
Gestern, am Telefon, sie sagte mir, es sei eine historische Zeit, ich würde später jungen Menschen davon erzählen, damals, 2020, Corona und so. Ich habe keine Lust darauf, dass das das historische Ereignis ist dieses Jahr. Historische Ereignisse stelle ich mir eher so vor, dass Menschen etwas Großartiges schaffen. Klimaschutz und so.

Weiterlesen

Erfolgreich Psychologie studieren mit AD(H)S – weil Wissenschaft Spaß macht!

Hey. Ich freue mich jeden Tag darüber, dass ich Psychologie studieren kann. Das ist vermutlich voll das Privileg. So oft habe ich schon Leute getroffen, die sagten: „Woah, Psychologie find ich auch spannend. Hätte ich ja auch gerne studiert.“ Aber es ist hart, überhaupt erstmal in den Bachelor zu gelangen – Psychologie ist beliebt. Tut mir leid, wenn es nicht klappt und jemand eigentlich echt ein gutes Psycholog*in geworden wäre. Hoffentlich wird die Situation mit dem neuen Bachelorstudiengang Psychotherapie besser! Manchmal denke ich mir aber, Leute, seht euch erst einmal an, was ein Psychologiestudium ist. Wir werden hier nicht über unsere Gefühle reden, Freud lesen oder unsere Träume deuten oder herausfinden, wer wir sind. Zumindest nicht in den meisten Unis.

Weiterlesen

Geht man als Öko zum Finanzberater? Anscheinend schon!

Was ist das spießigste, was ich je gemacht habe? Es nennt sich Berufunfähigkeitsversicherung. Aber mich will eh keiner berufsunfähigkeitsversichern. Das zweitspießigste ist, zum Finanzberater zu gehen. Wow! Voll nette Leute, echt. Am Anfang war ich total eingeschüchtert, sie hatten beide Krawatten an. Ich hatte noch nie eine Krawatte an. Zu meinem Abiball bin ich barfuß gekommen. Macht nichts, es ist nicht die Kundin, die Krawatten tragen soll! Das machen sie aus Respekt, sagen sie, das Fein-Gekleidet-Sein. Ich bekam Kräutertee. Und einen Notizblock. Der war nicht aus Recyclingpapier. Was mache ich hier bloß, ich fühle mich so fehl am Platz!
Auf Demos fühle ich mich wohl. In Greenpeace-Plena und auf ramschigen Sofas beim Fachschaftsrat. In abgeranzten Theatern und auf Bäumen und auf meinem eigenen ramschigen Sofa und im Schwimmbad. Das sind so Orte, die kann ich mit meiner Persönlichkeit vereinbaren. Und dann sitze ich auf einmal beim Finanzberater, voll der falsche Film, denke ich. Stellt sich aber raus, dass ich das durchaus darf. Ja, ich werde nicht einmal hinausgescheucht wie eine Katze aus der Hundehütte! Stellt sich raus, ich habe durchaus das Zeug dazu, mich von Finanzberatern beraten zu lassen.

Weiterlesen

Wenn Aliens Weihnachtslieder singen

Ist Trägheit dir zuwider? Suchst du Stimulation und Herausforderungen und machst deshalb Testtheorie-Aufgaben in den Ferien? Findest du Weihnachtliche Lethargie auch so unerträglich wie ich?

Kannst du ein Weihnachtslied rückwärts singen?
Ich kann!
Lass mich beschreiben, wie ich darauf kam. Oder nee, ich weiß gar nicht, wie ich darauf kam. Es muss eine Eingebung gewesen sein, gekoppelt mit der Neigung, mit Audiobearbeitungsprogrammen herumzuspielen und sich durch die Effekte zu klicken.

Weiterlesen

Meditieren mit ADS – schwierige Phasen und was ich damit mache

Zugegeben, ich habe nicht so wirklich einen Plan für schwierige Phasen. Aber es gibt sie und ich gehe damit um – scheinbar auch ein klitzebisschen erfolgreich. Deshalb schreibe ich auch darüber; denn dieser Blog soll vor allem, im Idealfall, voller hilfreicher Inspirationen sein! 🙂

Meditation, konkreter, MBSR (mindfulness-based stress reduction), tut mir sehr gut. Ich mache das jetzt schon seit ca. vier Jahren und möchte es fortführen. Es ist das tägliche Training für mein fronto-parietales Aufmerksamkeitsnetzwerk, mein Arbeitsgedächtnis und meine Emotionsregulation – und hin und wieder auch mächtig entspannend. When you slow down, time slows down!

Weiterlesen

Ad Absurdum III: Das Fehlen von Nähe

Zur Vorgeschichte siehe hier und hier.

Die Nähe wollte sich nicht einstellen.
Julai saß auf einer Platane und streichelte die Rinde des Baumes. Sie fand, dass der Baum mehr lebte als das Bild von Lian, das die in ihrem Kopf hatte, oder das Gefühl ihm gegenüber, oder die Hand, mit der sie den Baum streichelte. Der Baum hat es gut, dachte sie. Sie würde gerne Zucker aus Wasser, Licht und CO2 machen, aber das war nicht der Punkt; der Baum hatte kein Gehirn, und Julai fand das Konzept Gehirn zwar genial, aber doch sehr störanfällig und instabil.

Weiterlesen

Ad absurdum II: Sentient

Zur Vorgeschichte geht es hier.

Sehen beinhaltet mehr als die Augen.
Julai vermisste ihre Kindheit. Es hatte nach Kiefernnadeln gerochen in ihrer Kindheit.
Irgendwoher stülpte sich das Bild eines Hauses über sie. Ein Haus umgeben von Kiefernnadeln. An einem See. Dunkel. Klein. Weltsicht.
Vielleicht hatte sie das geträumt? Oder es war eine Erinnerung aus ihrer Kindheit, so tief vergraben in der Rumpelkammer ihrer Erinnerung wie fünfzig Jahre alte Kronkorken am Strand? Sie konnte den Unterschied nicht feststellen, noch nicht einmal ansatzweise. Julai besaß keine Kontrolle über ihr Gedächtnis. Alles zersetzte sich einfach, wie Plastiktüten sich im Meer zersetzen, bis die kleinen Teile nicht mehr zu sehen sind. Das machte ihr erstaunlich wenig aus.

Weiterlesen

Alexithymie, die seltsame Gefühlsblindheit

Alexithymie heißt „die Unfähigkeit, Gefühle zu lesen“. Gefühlsblindheit. Ich habe da schon verschiedene Definitionen gelesen und bringe hier meine Persönliche ein. Für mich heißt Alexithymie, dass ich oft nicht weiß, wie es mir geht, was ich fühle, warum ich etwas fühle, wie ich mein eigenes Verhalten interpretieren soll. Es ist wie eine eingeschränkte Theory of Mind mir selbst gegenüber. Ich kann die primäre Emotion, wenn ich mir Mühe gebe, ganz gut benennen. Also kann ich meistens unterscheiden, ob ich fröhlich, traurig, ängstlich oder niedergeschlagen bin, oder ob ich mich ärgere, Zuneigung oder Aversion empfinde. Dabei hilft mir der Gefühlsstern aus der kognitiven Verhaltenstherapie enorm (habe ich mir selbst angeeignet). Es dauert oft eine Weile, aber ich komme doch recht zielsicher per Ausschlussprinzip auf das Gefühl, weil es gewisse Regeln gibt, denen ich dabei folgen kann, bestimmte Fragen, die ich stellen kann. Gefühle erkennen nach Lehrbuch. Weiterlesen

« Ältere Beiträge

© 2020 undjetzterst

Theme von Anders NorénHoch ↑