Nachhaltigkeit, Neurodiversität, Nonsens

Schlagwort: Umweltschutz (Seite 1 von 2)

Geht man als Öko zum Finanzberater? Anscheinend schon!

Was ist das spießigste, was ich je gemacht habe? Es nennt sich Berufunfähigkeitsversicherung. Aber mich will eh keiner berufsunfähigkeitsversichern. Das zweitspießigste ist, zum Finanzberater zu gehen. Wow! Voll nette Leute, echt. Am Anfang war ich total eingeschüchtert, sie hatten beide Krawatten an. Ich hatte noch nie eine Krawatte an. Zu meinem Abiball bin ich barfuß gekommen. Macht nichts, es ist nicht die Kundin, die Krawatten tragen soll! Das machen sie aus Respekt, sagen sie, das Fein-Gekleidet-Sein. Ich bekam Kräutertee. Und einen Notizblock. Der war nicht aus Recyclingpapier. Was mache ich hier bloß, ich fühle mich so fehl am Platz!
Auf Demos fühle ich mich wohl. In Greenpeace-Plena und auf ramschigen Sofas beim Fachschaftsrat. In abgeranzten Theatern und auf Bäumen und auf meinem eigenen ramschigen Sofa und im Schwimmbad. Das sind so Orte, die kann ich mit meiner Persönlichkeit vereinbaren. Und dann sitze ich auf einmal beim Finanzberater, voll der falsche Film, denke ich. Stellt sich aber raus, dass ich das durchaus darf. Ja, ich werde nicht einmal hinausgescheucht wie eine Katze aus der Hundehütte! Stellt sich raus, ich habe durchaus das Zeug dazu, mich von Finanzberatern beraten zu lassen.

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Nowtopia

Manchmal fühle ich mich etwas fremd hier. Meine Umgebung ändert sich rasant. Komme ich damit klar? Manchmal. Gestern hatte ich zum ersten Mal eine VR-Brille auf. Es wird gerade eine Studie zur Wahrnehmung mit eingeschränktem Gesichtsfeld (wie es bei manchen Menschen mit Augenerkrankungen auftritt, vorstellbar als Tunnelblick) durchgeführt. Die Forscher*innen wollen wissen, ob Menschen mit eingeschränktem Gesichtsfeld bei der visuellen Suche genau so implizit lernen, wo sie suchen sollen, wie nicht eingeschränkte Menschen. Ich hatte also diese Brille auf, und bevor der Versuch losging, stand ich in einer virtuellen Ebene mit einem virtuellen Horizont, über dem so viele virtuelle Sterne standen, wie sie in meiner Stadt wegen Lichtverschmutzung nie sichtbar wären. Weiterlesen

Die Tabuzonen der Umweltbewussten

Ich bin glücklich, und das seit einem so langen Zeitraum, ich frage mich schon, ist das normal… Bin ich unter die Stoiker gegangen, wenn mir alles so halbwegs egal zu sein scheint? Und ich frage mich: Im Angesicht der Klimakrise, was würde Epiktet tun? Denn es ist nun einmal so: Dinge, die ich nicht ändern kann, da lohnt es sich auch nicht, sich davon aufregen zu lassen. Aber mir sind in der Klimakrise nicht die Hände gebunden – ich kann etwas tun! Klar, sie lässt sich nicht aufhalten – aber jedes Zehntelgrad zählt, jedes Kilo CO2 zählt. Was würde Epiktet tun?

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Diese Dinge, sie sind überall!

Mein Laptop hat eine Schraube zu wenig.
Diese Dinge: die brauchen Pflege! Brauchen Aufmerksamkeit! Die kostbarste Ressource, die ich habe – ich gebe sie den Dingen.
Ich mache Mentalizing mit den Dingen. Denke, dass der Plüsch-Panther Gefühle hat. Dass ich ihn nicht zudecken sollte. Aber Lungen hat er doch keine!
Denke, dass der Computer eine Persönlichkeit hat. Das geht wunderbar, Mentalizing, geht sehr einfach, mit allen Dingen um mich herum. Weiterlesen

Die Inklusivität nachhaltigen Handelns

Es gibt eine Reihe nicht-neurotypischer Menschen: AD(H)Sler, Autist*innen, Menschen mit Lernschwierigkeiten, Menschen mit Problemen der sensorischen Verarbeitung, Menschen, die auf tägliche Routinen angewiesen sind. Mal so ganz ungefähr.
Ich war etwa fünf Jahre in verschiedenen Greenpeace-Gruppen aktiv und habe bemerkt, dass es in diesen Gruppen überproportional viele solcher nicht-neurotypischen Menschen gibt. Oder naja, ich habe nicht nachgezählt, ob es signifikant ist.

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Entpackte Gedanken zum Unverpackten

Wenn eine Umweltpsychologin mir etwas über „real-world problems“ erzählt, denke ich schon, Wissenschaft ist hart seltsam. Was sind nicht-real-world problems? Irreale problems? Nun gut.

Real ist … schwer zu fassen, wenn jemand so ein schräges Fach studiert wie Psychologie. Auf einmal wird alles so relativ. So wahrnehmungsbedingt. So konstruiert, abstrakt. Raum und Zeit sind eigentlich eins, unser Gehirn trennt aber beides.
Doch von der theoretischen in die praktische Vernunft umzuschalten muss sein, wenn ich mir überlegen will, wie viele Schraubgläser ich eigentlich mitnehmen will, wenn ich im Unverpacktladen einkaufen gehe.

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What do we want?

Wart ihr schon einmal auf einem Kompostklo? Es ist ein tolles Erlebnis! Wenn mensch genug Sägespäne nachkippt, ist der Geruch sogar okay. Klar, das „flutsch und weg“-Erlebnis bei einem Wasserklo ist auch eine feine Sache. Aber kompostieren geht eben auch.

Ja, ich war auf dem Klimacamp im Leipziger Land. Es gibt ein Dorf dort, das Pödelwitz heißt. Weiterlesen

Ich bringe keinen Suff mit, sondern Suffizienz

Stellen wir uns vor, ich bekäme eine Einladung zu einer WG-Party, mit der Aufforderung, Suff mitzubringen (so bereits geschehen!). Suff, ich weiß gar nicht genau, was das ist, weil ich so ziemlich nie Alkohol trinke (das hat viereinhalb Gründe).
Ich male mir aus, wie ich klugscheißerisch sage: Ich bringe keinen Suff mit, sondern Suffizienz – um dann mit leeren Händen auf der Party anzukommen, aber einen kleinen Vortrag über Postwachstumsökonomie bereit zu haben. Eine WG-Party mit Science Slam, das wäre doch was!
Aber nun ja, das traue ich mich dann doch nicht, denn so sozial will ich ja sein, dass ich etwas zur Party mitbringe (dann eben keinen Suff). Und überhaupt, Suffizienz (ein anderes Wort wäre „Genügsamkeit“) heißt nicht gleich Verzicht! Aber was heißt es dann?

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